Als ein Wagen blitzeschnelle …

Historische Fotos vom Transportwesen in Ehrendingen – aus dem Fotoarchiv von Pius Pasi

„… langsam um die Ecke fuhr.“ So lautet der Anfang eines bekannten paradoxen Gedichtes. Und mal schneller und mal langsamer entwickelte sich auch das Transportwesen in Ehrendingen, dessen letzte 130 Jahre diese Ausstellung behandelt. Sie beginnt im Jahre 1896 mit einem heute in dieser Gegend nicht mehr anzutreffenden Transportmittel: Mit der Transportseilbahn der ehemaligen Zementfabrik, die den Zement von Ehrendingen zur Verlade-Station in Niederweningen brachte, wo er mit der Eisenbahn weiter transportiert wurde.

Es folgt ein Bild aus dem Jahre 1919 mit dem Radfahrer-Verein Ehrendingen. Die Velofahrer stilecht mit Anzug und Fliege haben die Hupe um den Hals und zeigen ihre schöne Vereinsfahne, auf der schon der Oberehrendinger Hirsch und die Unterehrendinger Tanne vereinigt sind. Der Turnverein ist 15 Jahre später, im Jahr 1934, schon deutlich legerer mit dem Velo unterwegs, mit dabei die Turnvereinsfahne. Im Jahre 1943 sind nun auch in grösserer Zahl Frauen auf dem Velo zu sehen. Und im Jahre 1995 verläuft die Tour des Suisse durch unser Dorf.

1921 fährt letztmals die Postkutsche über die Surbbrücke bei der Tiefenwaag. Begonnen hat der Postdienst mehr als 100 Jahre zuvor, im Jahr 1816, als die Pferdepostkutsche anfing, regelmässig zwei mal in der Woche die Post in die Dörfer zu bringen [1].

Eigentlich war im Surbtal eine Bahnstrecke geplant, die die Lücke zwischen Niederweningen und Döttingen schliessen sollte. Als Übergangslösung wurde 1921 der Postautodienst eingeführt. Die Bahn kam nie, das Postauto fährt heute noch. Schon 1933 fuhr das Postauto mit einem Anhängerzug auf der Surbtallinie. Zur 75-Jahr-Feier der Surbtallinie wird ein Postauto auf den Namen „Unterehrendingen“ getauft. Und zur 100-Jahr-Feier fährt nochmal eine historische 5-spännige Postkutsche auf unserer Landstrasse [4].

Private Autos sind seit 1925 in Ober- und Unter-Ehrendingen beheimatet. Der Kirchenchor mietet sich stattdessen im Jahr 1926 einen Twererenbold-Reisebus samt Chaufeur für seine Vereinsreise. Auch im Jahr 1930 ist wieder ein Örgeli-Spieler mit von der Partie bei der Vereinsreise mit dem Bus.

Ein Zentrum des Segelflugsports war die Hochwacht auf den Lägern, wie ein Foto von 1945 zeigt. Die Flugzeuge wurden selbst gebaut. Angefangen hat alles mit einem Otto-Lilienthal-Flugapparat, den sich der BBC-Mitgründer Charles Brown für 500 Goldmark gekauft hatte [3].

Ein Kuriosum ist die Strassenwalze aus dem Jahr 1946 mit ihrem markanten Kamin.

Im Jahr 1954 fährt ein Traktor das Steinkreuz der Jungmanschaft auf den Steinbuck, das dort heute noch über Unter-Ehrendingen thront. Gut 30 Jahre später mag dieser Traktor vielleicht wieder auf dem Oldtimer-Traktor-Treffen auf dem Eichhof auzufinden gewesen sein.

Bewundernswert ist es, wie der Berna-Oldtimer aus dem Jahr 1930 wie neu im Jahr 2004 auf der Strasse fährt. Er war jahrelang im Wald gestanden und ist dort verrottet, ein dicker Baum wuchs durch sein Dach. Der Artikel [2] beschreibt die abenteuerliche Restauration dieses Gefährts.

Auf dem Bild aus dem Jahre 1971 sieht man den Ober-Ehrendinger Skilift. Damals lag noch genug Schnee auf den Lägern.

Neben dem oben erwähnten Segelflugsport stehen noch weitere Kuriositäten der Luftfahrt mit Ehrendingen in Verbindung. Sowohl im Jahr 1970 als auch im Jahr 1979 sind Flugzeuge hier notgelandet. Man sieht auf den Fotos, wie das Flugzeug von 1979 mit einem Hubschrauber abtransportiert wird. Und im Jahr 1997 startet ein Heissluftballon auf der Engelwiese vom Unterdorf in die grosse weite Welt.

Die im Text oben angegebenen Literaturverweise findet man hier.